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L'viv Lwow Lemberg
Galizien und Wolhynien waren einst selbständige Fürstentümer der Rus, bevor sie zu jener mythischen “Grenzlandschaft Europas” wurden, wo jüdische, deutsche und slawische Bevölkerungen und Kulturen neben- und miteinander lebten und sich beeinflussten. Hier lag jene im II. Weltkrieg so brutal vernichtete Welt des jüdischen Schtetls, das so zahlreich Schriftsteller, Dichterinnen, Intellektuelle hervorgebracht hat wie Paul Celan, Joseph Roth, Rose Ausländer, Bruno Schulz, Manès Sperber, Wilhelm Reich und Ludwik Fleck.
Wie sehr L'viv, das Zentrum Galiziens, den Wechselläufen der Geschichte ausgesetzt war, zeigt sich schon der neben L'viv, auch Lvov (russisch), Lwów (polnisch) und Lemberg (deutsch) gebräuchliche Name. Der Zauber der alten Handelsmetropole liegt denn auch in der Vielfalt der Kulturen, die es geprägt haben. Bis Ende des 19. Jhdts lebten hier hauptsächlich Polen, Juden, Griechen und Armenier, erst im Verlauf des letzen Jhs. kamen mehr und mehr Ukrainer und Russen hinzu. Während der Nazizeit gehörte L'viv zum Generalgouvernement, gab es hier Ar-beitslager und ein Ghetto. Innerhalb weniger Monate wurden allein 136.000 L'viver Juden deportiert und umge-bracht. Nach dem Krieg, nun unter sowjetischer Hoheit, begann zwar eine rege Bautätigkeit und Industrialisie-rung, dennoch mutet die L'viver Altstadt noch immer habsburgisch an. Die Stadt hat eine Unzahl von reizvollen Strassenzügen, Plätzen und Sehenswürdigkeiten zu bieten: Kirchen, wunderschöne Bürgerhäuser, Museen und Parkanlagen. – Von der jüdischen Vergangenheit indessen sind kaum mehr Spuren zu entdecken.
Lohnenswerte Reiseziele in der Umgebung L'vivs gibt es viele. Stellvertretend seien hier zwei genannt: Drohobytsch (110km), die Geburtsstadt des Schriftstellers/Malers Bruno Schulz, und Tschernivzi/Czernowitz, die Hauptstadt der Bukowina (270km).

Auffälliger sind die politisch-kulturellen Unterschiede in der Ukraine: Die westliche Grenzlandschaft, Galizien, die Bukowina, Wolhynien, mit Lviv und Tschernivzi, verleugnen weder ihre habsburgische Vergangenheit noch die Nachbarschaft zu Polen, Ungarn und Rumänien.
In Lviv artikulierten sich die Kräfte, die auf eine Unabhängigkeit der Ukraine hinarbeiteten, am deutlichsten. Heute ist die Stadt ein nach Mitteleuropa orientiertes aufstrebendes Zentrum.
Charakteristisch für die Ukraine ist ihre konfessionelle Vielfalt: Neben der “offiziellen”, Moskau unterstellten ukrainisch-orthodoxen Kirche gibt es noch zwei autokephale orthodoxe Kirchen mit eigenen Patriarchen, Ka-tholiken und schliesslich “Unierte” (Hauptsächlich in der Westukraine), die den byzantinischen Ritus pflegen, aber den Papst als Oberhaupt anerkennen.


 

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04:56 Uhr - Mittwoch, 08. Februar 2012
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