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Mit der Eisenbahn um den halben Erdball
Transsib
Hügelzüge werden zu Gebirgsketten, flachen wieder ab, werden zu hohen Bergen. Tagelang zieht Steppe vorbei, geht manchmal in glitzernden Birkenwald über, unterbrochen von schwarzblauen Seen, durchschnitten von träge dahin fliessenden Strömen. Sattgrüne, braungelbe Weiten, Weiden, streckenweise auch noch Taiga. Dann und wann eine Siedlung, Blockhäuser, dünne Rauchsäulen, die kerzengerade in den Himmel steigen.
Eine in buntes Wolltuch gehüllte Bäuerin zieht gemächlich einen Karren hinter sich her, Hunde bellen dem Zug hinterher. – Sibirien, gesehen aus dem Abteilfenster der Transsibirischen Eisenbahn. Eindrücklich wie die vorbei-ziehende Landschaft ist das Leben im Waggon, die Wagenbetreuerinnen und das Völkergemisch der Passagiere.

Die Transsib ist die längste Bahnstrecke der Welt. Acht Zeitzonen durchquert sie und legt dabei zwischen Moskau und Wladiwostok ca. 9.300km zurück, inkl. des nördlichen Teils der Wüste Gobi und eines 4.000m hohen Berg-passes im Amurgebirge. Neben der klassischen Strecke befährt die Transsib noch zwei weitere Routen: die Transmongolische und die Transmandschurische, beides Verbindungen zur chinesischen Hauptstadt Beijing. Zusätzlich gibt es heute nördlich der ursprünglichen Trasse noch die parallele Baikal-Amur-Magistrale (BAM) zwi-schen Tajschet und Pazifik, deren Bau durch schwieriges Gelände in den 70-80er Jahren des vergangenen Jhdts. erfolgte. Ein Prestigeprojekt mit strategischem Hintergrund (Grenzkonflikte mit China), dessen Zweck aber vor allem die Erschliessung des sibirischen Hinterlands war. Mit der Transsib wollte das zaristische Russland das Monopol der westeuropäischen Handelsflotten mit dem Orient brechen.
Zar Alexander III. träumte von einer schnellen Route in den Fernen Osten, auf der sehr viel mehr Güter transportiert werden konnten. Aufstände im In- und Ausland verhinderten die Durchsetzung dieses ehrgeizigen Ziels. Die Transsib erleichterte dafür die russische Expansion nach Zentralasien und die Kontrolle der fern-östlichen Kolonien bis Wladiwostok. Zar Nikolaus II. legte 1891 den Grundstein für das damals verrückteste Bahnprojekt der Welt, für das Dutzende von Tunnel und Hunderte von Brücken gebaut wurden. 1903 war die Verbindung zur Mandschurei fertig gestellt, erst 1916 die gesamte Strecke. 1893, zu Beginn der Arbeiten, hatte Sibirien knapp über 5 Mio. Einwohner - zwei Drittel lebten in einem schmalen Streifen 80km nördlich und südlich der Strecke. 10 Jahre später war die Bevölkerung bereits auf 9,4 Mio. angestiegen, bis zu Beginn des I. Welt-krieges verdoppelte sie sich. Die Ausbeutung der unermesslichen Rohstoffreserven Sibiriens konnte beginnen. Heute hat Sibirien über 30 Mio. Einwohner.

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13:23 Uhr - Montag, 06. September 2010
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